Archiv für Mai 2012

Freies Studium statt Leistungswahn

Ein Studium muss für uns so organisiert sein, dass es auch studierbar ist und den Studierenden die Möglichkeit bietet nach ihren individuellen Vorstellungen zu studieren, sei
es z.B. ein Turbostudium oder aber auch ein entschleunigtes Studium, das viel Raum zur persönlichen Entfaltung bietet. Diesem Leitbild stehen die festgelegten Regelstudienzeiten entgegen. Besonders problematisch ist, dass Bafög nur während der Regelstudienzeit bezogen werden kann, das eine Überschreitung der Regelstudienzeit zu einer Exmatrikulation führen
kann, wodurch ein sozialer Druck entsteht, das Studium in der Regelstudienzeit abzuschließen, selbst wenn die eigenen Erkenntnisziele nicht befriedigt sind. Unserer Meinung nach sind die Regelstudienzeiten willkürlich festgelegt und aus den weiteren oben genannten Gründen daher abzuschaffen. Kurzfristig ist aber zumindest die durchschnittliche Studiendauer der jeweiligen Fächer als Regelstudienzeit anzusehen, die Förderdauer des BaFöG sollte sich also danach richten und nicht nach der staatlich oktroyierten Regelstudienzeit, welche statistisch gesehen von einer signifikanten Anzahl von Studierenden überschritten wird.

Ebenso sind Leistungspunkte (ECTS) abzuschaffen. Auch erfolgt wie bei der Regelstudienzeit eine Entindividualisierung der Studierenden. Dass ECTS-Punkte willkürlich festgelegt sind wird schon daran deutlich, dass der individuelle Lernaufwand erstens nicht berechenbar ist
(es gibt nun einmal keinen „Durchschnittsstudierenden“) und dass er in der Regel auch nicht mit den ECTS-Werten übereinstimmt. (Im Übrigen ist dieser Umstand der Hauptgrund für den enormen Leistungsdruck im Studium, über den sich nicht wenige Studierende zu Recht beschweren. Wenn Bürokraten Durchschnittswerte für den Zeitaufwand berechnet haben, erscheinen die Prüfungen theoretisch im Rahmen des „Machbaren“ – zumindest solange die statistischen Durchschnittswerte bzw. das Verfahren, überhaupt Durchschnittswerte für die Lernzeit der Studierenden festzulegen selbst unhinterfragt bleiben.) Des weitern ist mittlerweile auch bewiesen, dass die Leistungspunkte, in der Bologna-Erklärung als Instrument zur Förderung der Mobilität angekündigt, in der Praxis ein Mobilitätshindernis darstellen. Es wird nicht mehr auf das in einem Modul oder Kurs tatsächlich Erlernte abgestellt, sondern zusätzlich auf die dafür vergebene Anzahl von ECTS Punkten. Hieraus
wird auch schon deutlich, dass sie kein Lernergebnis darstellen oder eine bestimmte Leistung sondern nur einen reinen Wert, der eine imaginäre Leistung in Zeit ausdrückt.

Grundständiger Master

Wir fordern einen Grundständigen Master, also dürfen keine weiteren Selektionsmechanismen wie Mindestnote, NC oder Motivationsschreiben, vorhanden sein. Ausreichende Kapazitäten sind zu schaffen. Hierzu muss der Hochschulpakt massiv ausgebaut werden. Ziel eines Studiums sollte immer noch die Befähigung zum wissenschaftlichen Arbeiten sein. Diese Fähigkeit sehen wir in einem promotionsberechtigten Abschluss verwirklicht. Zudem war dies der Regelabschluss im „alten“ Studiensystem. Schließlich wurde
uns der gesamte Bologna-Prozess als Maßnahmenkatalog verkauft, der uns wesentliche Vorteile bringt. Ein grundständiger Master sieht so aus, dass Studierende mit der Erstimmatrikulation bereits im Masterstudium sich befinden, also nach einer gewissen Zeit (jetziger Bachelor-Zyklus) sich nicht noch einmal um einen Studienplatz bewerben müssen. Der Bachelor kann dann als freiwillige „Ausstiegslösung“ für die Studierenden fungieren, welche sich freiwillig dazu entschließen, ihr Studium an dieser Stelle zu beenden.

Weniger Prüfungen

Die gegenwärtige Prüfungspraxis, wo Prüfungen in vielen Fällen als Multiple-Choice-Tests und über das Semester verteilte „Hausaufgaben“ durchgeführt werden, spricht der angekündigten Anwendungsorientierung des Studiums im Zuge der Reformen Hohn. Das Studium muss die Studierenden darauf vorbereiten, Probleme ohne offensichtliche Lösung, kreativ und innovativ zu bearbeiten. Auswendiglernerei unterminiert das Potenzial innovativen Denkens und Arbeitens und führtletztlich dazu, dass akademisch zertifizierte Menschen auf die Gesellschaft losgelassen werden, die bei der kleinsten Abweichung der Praxis von ihren Handbüchern rat- und hilflos sich an ihre Vorgesetzten wenden, welche ihrerseits rat- und hilflos über die Rat- und Hilflosigkeit ihrer „leitenden Angestell-
ten“ sein werden. Das alles wird nicht gerade dazu führen, die Akzeptanz der neuen Studiengänge auf dem Arbeitsmarkt, im Wissenschaftssystem oder im (gehobenen) Staatsdienst zu fördern. Damit ist eine Reorganisation des gesamten Prüfungssystems
für die sogenannte Qualitätssicherung von zentraler Bedeutung. Zwar gehen wir davon aus, dass die gesamte Qualitätssicherung vornehmlich PR-Zwecken dient, doch melden wir dennoch den naiven Anspruch an, dies als Instrument zur tatsächlichen, qualitativen Weiterentwicklung des Studiensystem zu nutzen.

Freiräume schaffen

Der Campus stellt für viele Studierende einen Teil ihrer Lebenswelt da, daher muss es ihnen auch möglich sein sich in dieser Lebenswelt selbst zu organisieren und zu betätigen. Dafür ist es notwendig, dass auf dem Campus Freiräume existieren, die von den Studierenden selbst verwaltet werden. Ziel ist es den Studierenden ein über das bloße studieren hinausgehendes handeln in ihrer eigenen Lebenswelt zu ermöglichen. Wir sprechen uns des Weiteren durch eine Selbstverwaltung durch die Nutzer*innen dieser Räume selbst aus

Frauenquote

Die Frauenquote unter den Lehrenden an der CAU liegt deutlich unter den schon niedrigen Bundesdurchschnitt. Letztendlich erzeugen und reproduzieren von Männern dominierte Strukturen, Ausschluss- Mechanismen gegenüber Frauen. Quoten, auch wenn sie erst einmal das Geschlecht in den Vordergrund stellen, sind ein geeignetes Mittel um diese Strukturen aufzubrechen und Diskriminierung aufgrund des Geschlechtes zu verringern.

Eltern- und studienzeitunabhängiges Bafög

Um eine möglichst individuelle Gestaltung des Studiums zuzulassen und soziale Selektionshürden abzubauen ist ein Eltern und Regelstudienzeit unabhängiges BaföG notwendig. Besonders der Druck auf Studierende, die vom Bafög „abhängig“ sind, nimmt durch die Zeitabhängigkeit und die zu erbringenden Leistungsnachweise enorm zu. Dies kann
nicht Ziel einer Politik sein, welche im selben Atemzug einer „Erhöhung“ der Akademiker_innenquote zum Ziel ausgibt. Wir sagen: Nix ist umsonst, außer der Tod.

Paritätisch besetzte Gremien statt Managementstrukturen und Akkreditierung

Bildung ist Menschenrecht. Daher darf es zu keinen Zugangshürden kommen, die die ohnehin
schon vorhandene soziale Selektion noch verstärkt. Studiengebühren jeglicher Art, ob nun vor- oder nachgelagert, lehnen wir daher ab und fordern darüber hinaus ein verfassungsmäßiges Verbot von Studiengebühren, es scheint sich die Praxis abzuzeichnen, die Verfassung zur Verankerung von missliebigen und umstrittenen Klauseln wie z.B. der Schuldenbremse zu instrumentalisieren. Wir sehen es aus diesem Grund durchaus als berechtigt an, parallel dazu eine Gebührenbremse zu installieren, wohl wissend, dass angesichts der durch die Schuldenbremse allen aufgenötigte Kürzungspolitik spätestens bei den übernächsten Haushaltsverhandlungen im Landtag das Thema Studiengebühren und deren vermeintliche Alternativlosigkeit wieder politisch en vogue sein werden. Des Weiteren muss der Staat seiner Aufgabe nachkommen und die Hochschulen ausfinanzieren. Ob diese vom Land oder vom Bund durch die Abschaffung des Kooperationsverbots geschieht ist uns egal. Die momentane Praxis der wettbewerblichen Mittelvergabe durch Exzellenzinitiative und Drittmittel lehnen wir ab. Solange die Hochschulen nicht ausfinanziert sind, müssen die zur Verfügung stehenden Mittel paritätisch vergeben werden.

Fressen,Ficken,Saufen

So heißt unsere mittlerweile unregelmäßig erscheinende Zeitung. Neben zahlreichen Abbildungen gibt es in dieser Ausgabe zwei Artikel zum Verhältnis zur Hochschulpolitik und ja es ist Wahlkampf! Deshalb gibt es auch unsere Forderungen + Erläuterungen!

Wenn du keine Lust hast in die Mensa zu gehen, hier die Zeitung als PDF:

Fressen, Ficken, Saufen